Deutschland zum Selbermachen

Bürger machen Staat

oder
Wie Bürger kommunale Aufgaben selbst in die Hand nehmen !

deutschland01
“ Deutschland zum Selbermachen “ porträtiert 22 Bürgerprojekte !

Eines davon ist der Förderverein
“ Büchereien für Engelskirchen e.V. “

deutschland02.gif

Details zum Projekt

Betreiben der ehemals kommunalen Büchereien in Engelskirchen und Ründeroth

Grund des Arrangements. Die kommunalen Bibliotheken wurden aus haushaltspolitischen Gründen von der Gemeinde Engelskirchen geschlossen – nicht aus Gründen eines mangelnden Leseinteresses. Weil das so war, wollten Doris Steinbach und andere Engelskirchener und Ründerother den Betrieb aufrecht erhalten.
Im Verein „Büchereien für Engelskirchen e.V.“ lag dafür der einzige Weg.  Gesagt, getan.

Was wurde konkret getan?
Bereits vor der Schließung der Büchereien wurde der Verein „Büchereien für Engelskirchen e.V.“ gegründet. Nachdem die Gemeinde dem Verein die Trägerschaft zugesprochen hatte, renovierten die Vereinsmitglieder die Räumlichkeiten und starteten den Betrieb. Das ehrenamtliche Team kümmert sich um alle Belange: Organisieren des Bibliotheksbetriebs, Organisieren von Geldern, Öffentlichkeitsarbeit, Erwerben neuer Bücher, Erstellen einer eigenen Homepage  und das Durchführen von Veranstaltungen in den Räumlichkeiten.

Waren Hürden zu überspringen – und welche?
Das Projekt wurde innerhalb nur eines halben Jahres erfolgreich auf die Füße gestellt. Da jedoch der Verein in kompletter Eigenregie eine eigentlich kommunale Aufgabe verwalten wollte, gab es zunächst große Skepsis seitens der Verwaltung. Schließlich war sicherzustellen, dass die Dienstleistungen auch nachhaltig gewährleistet werden können.

Wer war vorher zuständig?
Die Bibliotheken wurden bis 2003 in kommunaler Trägerschaft betrieben.

Wurden externe Berater zu Rate gezogen – und welche?
Der Verein kooperiert mit Buchhändlern aus der Region, die ihrerseits einen Nutzen aus einem lesefreudigen Publikum ziehen.

Gibt es ein Erfolgsrezept?
motiviertes Vereinsteam, die Möglichkeit, mit Neuanschaffungen stets auf aktuellem Stand zu bleiben und die Motivation, die aus dem Dank der Nutzer erwächst.

Gibt es noch Wünsche?
Größter Wunsch ist, dass das Erfolgsprojekt auch in zehn Jahren noch für die Engelskirchener und Ründerother Bestand hat.

Wer macht was?
Eine strikte Arbeitsteilung gibt es nicht. Alle machen alles. Der Verein will neben dem Betrieb vor allem immer wieder neue und engagierte Mitglieder für sich gewinnen. Das ist eine zentrale Aufgabe des Vorstands. Jedes einzelne Mitglied weist andere Kompetenzen auf, sodass praktisch jeder von jedem etwas lernen kann. Im Verein sind neben „Laien“ auch Buchhändler organisiert.

Wie werden die Akteure motiviert?
Eigenregie lautet hier die Motivationsquelle. Der „Büchereien für Engelskirchen e.V.“ ist ein Verein, welcher mit vereinten Kräften versucht, die Büchereien vor der endgültigen Schließung zu bewahren. Mit der Zeit entwickelten sich zudem Freundschaften zwischen den Engagierten, ein wichtiger Motivationskit für das Projekt.

Wie wird mit den Bürgern kooperiert?
Engagierte Bürger der Gemeinde Engelskirchen waren es erst, die den Verein „Büchereien für Engelskirchen e.V.“ gründeten, insofern basiert das gesamte Konzept auf der aktiven Mitarbeit und Kooperation der Bürger. Für die Vereinsvorsitzende Doris Steinbach ist die ständige Gewinnung neuer Mitglieder prioritär. Die Büchereien sind kleine Kulturzentren geworden, die auch Veranstaltungen durchführen. So wird die Akzeptanz in der Bürgerschaft gestärkt.

Wie wird finanziert?
Rund ein Drittel der rund 120 Vereinsmitglieder ist aktiv am Vereinsleben beteiligt. Die Kommune stellt dem Verein die notwendigen Räumlichkeiten miet – und betriebskostenfrei zur Verfügung und überweist dem Verein jährlich 10.000 Euro für Neuanschaffungen. Regelmäßig wird auch ein Bücherflohmarkt organisiert, dessen Einnahmen ebenfalls dem Erhalt der Büchereien zu Gute kommen. Die Vereinsmitglieder selbst zahlen pro Jahr 12 Euro. Im bereits dritten Jahr nach der erfolgreichen Wiedereröffnung haben ca. 200 Bürger einen Nutzerausweis. Für zehn Euro jährlich können sie das breite und aktuelle Angebot der Büchereien nutzen. Spenden von Unternehmen, Privatpersonen und anderen Vereinen, sind eine weitere Säule.

Das Buch ist im Pendo Verlag erschienen.

ISBN 978-3-86612-148-5

 

deutschland03