Und auch so bitterkalt

6. Februar 2014

41+HDe2f3RL._von Lara Schützsack

Dies ist die Geschichte von Lucinda. Lucinda ist schön, lebenshungrig und leuchtet wie ein Stern. So hell und so schön und gleichzeitig Lichtjahre entfernt. Lucinda scheint in einer anderen Welt zu leben, nach eigenen, erbarmungslosen Regeln. Wer Lucinda liebt, muss ertragen, ihr niemals richtig nah sein zu können. So sind Sterne eben. Und manchmal fallen sie vom Himmel und verglühen. Einfach so.

Für Malina ist ihre große Schwester Lucinda das Licht. „Lucinda ist so ein Mädchen, nach dem sich die Menschen auf der Straße umdrehen. Nicht, weil sie einfach nur schön ist, sondern weil man spürt, dass etwas mit ihr passieren wird. Etwas, das nicht jedem passiert.“ Malina bewundert Lucinda, verteidigt sie. Immer. Auch, wenn sie vieles, was Lucinda tut, nicht versteht. Malina liebt die gemeinsamen Ausflüge zu der maroden Brücke und die unglaublichen Geschichten, die Lucinda erzählt. Doch für viele der anderen steckt in Lucinda auch etwas Teuflisches. Für Bernd und alle Jungs, die sie eiskalt abserviert. Für ihre Eltern, die Lucinda behandelt, als wären sie ihre Untergebenen. Und letztlich auch für sich selbst. Mit eiserner Härte überwacht Lucinda ihr Essverhalten. So lange, bis ihr Flaum auf dem Rücken wächst. Ja, das hier ist ein Buch über eine magersüchtige Jugendliche. Und ja, es gibt wahnsinnig viele Jugendbücher die sich diesem Thema widmen. Aber keines ist so strahlend wie dieses hier. „Und auch so bitterkalt„ ist zunächst einmal nicht aus der Sicht einer magersüchtigen Jugendlichen geschrieben. Stattdessen erzählt Malina. Gerade diese Distanz vermittelt etwas, das anderen Romanen über Magersucht nicht gelingt: die Unschärfe der Krankheit. Die völlige Hilflosigkeit, mit der das Umfeld und oft auch die Betroffene selbst dieser gegenübersteht. Zudem hebt die märchenhafte, literarische Sprache den Roman von anderen ab. Eine wundervolle Erzählung, die neben dem Thema Magersucht, auch noch vieles andere aufgreift. Von Geschwisterliebe über Musikgeschichte bis hin zu Elternkonflikten. Und das auf nur 174 Seiten. (Rezension von Angela Sommersberg)

Erscheinungsdatum: Februar 2014

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